Martin − Luther − Gemeinde Berlin - Lichterfelde

Andacht

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36,26

Was ist das nur für eine Welt! Die Nachrichten aus der Nähe und aus der Ferne sind beängstigend. Sicherheiten, auf die wir uns so lange verlassen haben, scheinen nicht mehr zu tragen. Zusammenhalt scheint nicht mehr modern zu sein – jeder denkt zuerst an sich selbst. Alle sind unzufrieden. Versteinerte Herzen: Hass gegen andere wird immer lauter. Unbarmherzigkeit greift immer mehr Raum. Hier sind die ganz Reichen, die immer noch reicher werden. Dort sind die Armen, denen Angst davor gemacht wird, die noch Ärmeren könnten ihnen etwas wegnehmen. Auf Schwächere wird herabgesehen, sie werden herausgedrängt. Immer größer wird die Angst, nicht genug zu bekommen. Immer größer erscheinen die bösen Kräfte in unserer Welt, die viele längst überwunden glaubten. Die Versuchung zu resignieren ist groß. Was können wir tun?

Wir vertrauen auf Gott, trotz allem. Er ist bei uns, den Menschen, die er aus Liebe geschaffen hat. Aber: Gott schlägt nicht die, die Anderen das Leben schwer machen. Er regiert nicht mit der brutalen Gewalt, die wir in der Welt beklagen. Gott handelt anders. Er kommt zu uns und ist bei den Kleinen und Schwachen. Er ist das Kind in der Krippe, er ist der Bettler, die Fremde, der Mensch auf der Flucht. Er kommt uns nah. Durch den Propheten Hesekiel sagt er uns: Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.

Wo so vieles zu versteinern und mit Hass und geschürten Stimmungen überdeckt zu werden droht, überwindet Gott die Hartherzigkeit und den Hass. Er verändert die Welt – und er beginnt damit bei uns. Er verändert uns Menschen in unserem Inneren. Blicken wir nicht auf die Anderen, auch bei ihnen wird Gott wirken. Sehen wir zuerst auf uns selbst: Unser verversteinertes Herz soll lebendig werden. Unser Herz soll von Liebe, Achtsamkeit, Barmherzigkeit erfüllt werden. Das strahlt aus auch in die Gesellschaft. Unser Geist soll uns die Welt neu sehen und verstehen lehren. Es wird sich nicht immer nur alles um unsere Ängste und Befürchtungen drehen. Gottes Geist schenkt Mut, Weite und Klarheit.

Dass uns Gott dieses neue, warme Herz schenkt und einen neuen, offenen Geist in uns legt, das wünsche ich uns allen für 2017!

Jörg Zabka